Flying-P-Liner: Hamburgs legendäre Frachtsegler
Peking, Passat, Pamir, Padua: Schon die Namen erzählen von einer eigenen Welt. Die Flying-P-Liner der Hamburger Reederei F. Laeisz gehörten zu den berühmten Frachtseglern ihrer Zeit. Sie verbanden europäische Häfen mit Chile und machten den Wind zum Antrieb eines weltweiten Geschäfts. Auch die heutige Krusenstern gehört zu dieser Geschichte: Sie wurde 1926 als Padua gebaut. Hundert Jahre später lohnt sich der Blick auf die Flotte, aus der sie hervorging.
Warum beginnen die Schiffsnamen mit P?
Der gemeinsame Anfangsbuchstabe geht auf eine Familiengeschichte zurück. Sophie, die Frau von Carl Laeisz, trug wegen ihrer lockigen Haare den Spitznamen „Pudel“. 1857 erhielt ein neues Schiff diesen Namen. Daraus entwickelte sich die Tradition, weitere Segler mit einem P am Anfang zu benennen. An diese Geschichte erinnert bis heute die Pudelfigur auf dem Laeiszhof an der Hamburger Trostbrücke.
Das „Flying“ verweist auf den Ruf der Schiffe als schnelle Segler. Zusammen mit ihrer Zuverlässigkeit wurde die Geschwindigkeit zum Erkennungsmerkmal der Reederei. Flying-P-Liner bezeichnet deshalb keine einzelne Baureihe: Hinter dem Namen standen verschiedene Segelschiffe eines Unternehmens. Die bekannten Viermastbarken prägten das Bild dieser Flotte besonders stark.
Salpeter: die Ladung hinter der Legende
Die großen Segler waren Arbeits- und Transportschiffe. Eine ihrer wichtigsten Ladungen war chilenischer Salpeter, der unter anderem für Düngemittel und Sprengstoffe gebraucht wurde. Die Lagerstätten lagen in der Atacama-Wüste. Von dort gelangte der Rohstoff zu den Häfen und schließlich über den Atlantik nach Europa.
Die Peking wurde 1911 bei Blohm & Voss in Hamburg gebaut und transportierte bis 1932 Salpeter sowie andere Güter zwischen Hamburg und Chile. Auf diesen Reisen mussten die Schiffe Kap Hoorn passieren. Die lange Strecke und das anspruchsvolle Seegebiet verlangten robuste Schiffe, erfahrene Kapitäne und eingespielte Mannschaften.
Was machte die Flying-P-Liner erfolgreich?
Ihr Erfolg beruhte auf mehr als einer großen Segelfläche. Bei der Peking verbanden sich ein stählerner Rumpf und hochgelegene Laufbrücken zwischen den Aufbauten mit technischen Hilfsmitteln für die Segelarbeit. Brass- und Fallwinden erleichterten den Umgang mit Rahen und Segeln. So ließ sich ein großes Frachtschiff mit vergleichsweise kleiner Besatzung betreiben.
Hinzu kam die Organisation an Land. Laeisz verbesserte Umschlagplätze und die Anbindung durch Bahnlinien in Chile, um Liegezeiten zu verkürzen. Der berühmte Segler war damit Teil einer Transportkette: Was auf See an Geschwindigkeit gewonnen wurde, sollte beim Laden und Löschen nicht wieder verloren gehen.
Die Padua: der Flying-P-Liner, der zur Krusenstern wurde
1926 entstand bei der Werft Johann C. Tecklenborg in Geestemünde die stählerne Viermastbark Padua. Auftraggeber war F. Laeisz. Das Deutsche Schiffahrtsmuseum beschreibt sie als letzten Neubau eines frachtfahrenden Großseglers. Damit steht ihr Baujahr am Ende einer langen Entwicklung, in der Segelschiffe für den Warenverkehr immer weiter verbessert worden waren.
Am 30. August 1926 brach die Padua unter Kapitän Carl Schuberg mit Stückgut von Hamburg nach Chile auf. Mit einer Salpeterladung kehrte sie nach Europa zurück und erreichte am 11. April 1927 Delfzijl in den Niederlanden. Diese Jungfernreise ist durch Tagebuchaufzeichnungen des Jungmanns Roderich Murrmann dokumentiert.
1946 ging die Padua als Reparationsleistung an die Sowjetunion und erhielt den Namen Krusenstern, international häufig „Kruzenshtern“ geschrieben. Aus dem Frachtsegler wurde später ein Ausbildungsschiff. Die Kaliningrader Technische Universität würdigte 2026 das hundertjährige Schiff und seine langjährige Rolle in der Ausbildung auf See.
Hinter den weißen Segeln lag harte Arbeit
Historische Großsegler wirken auf Fotografien oft mühelos. Zeitgenössische Aufzeichnungen zeigen eine andere Seite. Das vom Deutschen Schiffahrtsmuseum veröffentlichte Tagebuch der Padua-Jungfernreise beschreibt das Bordleben sachlich und teils kritisch. Es dokumentiert nicht nur Positionen, Wetter und Segelführung, sondern auch einen Alltag, der mit romantischen Vorstellungen wenig gemeinsam hatte.
Wer die Schiffe verstehen möchte, sollte deshalb auch die Menschen an Bord berücksichtigen. Die technische Leistung der Windjammer und die Arbeit ihrer Mannschaften gehören zusammen. Einen ergänzenden Einstieg in die Tätigkeiten an Bord bietet unser Logbuchartikel „Ahoi Matrose“.
Wo sich ihre Geschichte heute entdecken lässt
Vier Flying-P-Liner sind erhalten: die Peking in Hamburg, die Passat in Travemünde, die Pommern in Mariehamn und die ehemalige Padua als Krusenstern. Ihre unterschiedlichen Lebenswege zeigen, wie aus früheren Frachtschiffen maritime Kulturdenkmäler oder Ausbildungssegler werden konnten.
In Hamburg macht die Peking diese Geschichte unmittelbar anschaulich. Das Deutsche Hafenmuseum erklärt an ihr nicht nur Schiffstechnik, sondern auch die Handelswege und Arbeitswelten hinter der Salpeterfahrt. Wer seinen Blick anschließend auf die Stadt erweitern möchte, findet im Logbuch auch einen Beitrag zum Hamburger Hafen.
Für KRUSENSTERN gehört diese Verbindung von Hamburg, Seefahrt und Handwerk zum maritimen Blick auf die Welt. Die Flying-P-Liner geben ihm historischen Hintergrund: Ihre Geschichte beginnt bei einem ungewöhnlichen Schiffsnamen und führt zu den Menschen, Waren und Wegen, die Hamburg mit fernen Küsten verbanden.
Titelbild: Historisch plausible Darstellung einer Viermastbark; kein historisches Originalfoto und kein exaktes Porträt eines bestimmten Schiffs.
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