Segelschiff Krusenstern: Von der Padua zum Schulschiff

Vier Masten, ein stählerner Rumpf und ein Name, der zwei Epochen verbindet: Das Segelschiff Krusenstern begann sein Leben als Padua. 1926 für die Hamburger Reederei F. Laeisz gebaut, transportierte die Viermastbark zunächst Waren über die Ozeane. Seit 1946 trägt sie den Namen des Weltumseglers Adam Johann von Krusenstern. Ihre Geschichte führt von der kommerziellen Segelschifffahrt zur Ausbildung auf See – und erklärt, weshalb ein hundert Jahre altes Schiff bis heute mehr ist als ein Erinnerungsstück.

Titelbild: Historisch plausible Darstellung einer Viermastbark auf See; kein historisches Originalfoto und kein exaktes Porträt der Krusenstern.

1926: Die Padua entsteht in Geestemünde

Am 24. Juni 1926 lief die Padua bei Johann C. Tecklenborg in Geestemünde, dem heutigen Bremerhaven, vom Stapel. Auftraggeber war F. Laeisz. Das Deutsche Schiffahrtsmuseum ordnet sie als letzten Neubau eines frachtfahrenden Großseglers ein. Ihr Bau fiel damit in eine Zeit, in der Dampfer längst das Bild vieler Handelsrouten bestimmten, große Segler auf ausgewählten Langstrecken aber noch wirtschaftlich eingesetzt wurden.

Die Padua war für Arbeit gebaut. Ihr Stahlrumpf bot Raum für Ladung, die Takelage nutzte den Wind als Antrieb. Der Begriff Viermastbark beschreibt dabei die Anordnung der Segel: Die vorderen drei Masten tragen Rahsegel, während der achtere Mast längsschiffs gesetzte Segel führt. Diese Kombination unterscheidet eine Bark vom Vollschiff, das an sämtlichen Masten Rahsegel trägt.

Ein Schiff der Flying-P-Liner

Die Padua gehörte zu den Flying-P-Linern von F. Laeisz. Der gemeinsame Anfangsbuchstabe war eine Tradition der Reederei, deren Segler für schnelle und zuverlässige Reisen bekannt wurden. Namen wie Peking, Passat und Pamir erinnern bis heute an diese Flotte. Der Name bezeichnet eine Reedereiflotte mit unterschiedlichen Schiffen, keine einheitliche Baureihe.

Ein wichtiger Fahrtbereich war Chile. Von dort brachten die Schiffe Salpeter nach Europa, einen Rohstoff für Düngemittel und weitere industrielle Anwendungen. Die Reisen verbanden Hafenarbeit, Rohstoffhandel und die anspruchsvolle Passage um Kap Hoorn. Den größeren Zusammenhang erklärt unser Beitrag „Flying-P-Liner: Hamburgs legendäre Frachtsegler“.

Hinter dem Eindruck mühelos gleitender Segel standen körperliche Arbeit, eine klare Aufgabenverteilung und ständige Aufmerksamkeit. Wie die Besatzung ein solches Schiff bediente, erläutert „Ahoi Matrose“.

1946: Aus der Padua wird die Krusenstern

Die Übergabe an die Sowjetunion erfolgte 1946 als Reparationsleistung nach dem Zweiten Weltkrieg. Eine Übergabe nach dem Ersten Weltkrieg wäre schon wegen des Baujahrs 1926 unmöglich. Nach Angaben der Kaliningrader Technischen Universität wurde im Januar 1946 die sowjetische Marineflagge gesetzt; im Februar erhielt das Schiff seinen neuen Namen.

Namensgeber war Adam Johann von Krusenstern, der von 1803 bis 1806 die erste russische Weltumseglung leitete. Er segelte dabei auf der Nadeschda, nicht auf der erst mehr als ein Jahrhundert später gebauten Padua. Die Geschichte der Expedition findet sich im Logbuch unter „Weltumseglung“. International begegnet der Schiffsname häufig in der Schreibweise „Kruzenshtern“.

Segelschulschiff statt Museumsschiff

Die Krusenstern entwickelte sich zum Ausbildungsschiff. Die Betreiberuniversität würdigte 2026 ausdrücklich ihre langjährige Rolle als Schule unter Segeln und berichtete auch über Fahrten mit Kadetten. Die Bezeichnung als heutiges Museumsschiff trifft ihre Verwendung deshalb nicht: Anders als ein dauerhaft museal ausgestellter Segler dient sie der praktischen Ausbildung auf See.

Die erhaltenen Flying-P-Liner zeigen unterschiedliche Wege des Bewahrens. Während etwa die Peking in Hamburg als Museumsschiff maritime Geschichte vermittelt, verbindet die Krusenstern historische Schiffstechnik mit dem Erlernen seemännischer Arbeit. Genau darin liegt ihre besondere Bedeutung: Die frühere Padua bewahrt nicht nur einen Rumpf und eine Takelage, sondern auch Kenntnisse, die erst durch ihren Gebrauch lebendig werden.

Quellen und weiterführende Lektüre

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